Tintenfraß und Entsäuern alter Papiere

Die Restaurationswerkstatt im Haus 1Tintenfraß entsteht durch die in der Bach-Zeit verwendeten Tinten, die Eisen(II)sulfat und Gallussäure enthielten. Sie setzten im Laufe der Zeit durch eine chemische Reaktion unter Mitwirkung von Luftsauerstoff Schwefelsäure und Eisenionen frei, durch die das Papier zerstört wird.

Rund 23 Prozent der wertvollen Bach-Autographe weisen daher schwere Schäden auf, andere Blätter sind zum Glück weniger betroffen. Die Abbildung zeigt einige Bachautographe mit unterschiedlichen Schädigungsgraden. Durch ein allseitig gesichertes Ausschwemmen der papierzerstörenden Eisen(II)verbindungen und der sauren Komponenten (Jenaer Systemtechnologie) kann eine Tintenfraßrestaurierung durchgeführt werden.

Innerhalb dieses Verfahrens wird zur mechanischen Stabilisierung von brüchigen oder stark abgebauten Papieren das sogenannte "Papierspalten" angewendet, bei dem ein einzelnes Blatt Papier in Vorder- und Rückseite gespalten und zwischen sie ein dünnes Kernblatt zur Stabilisierung eingelegt wird. Das äußere Erscheinungsbild der restaurierten Seite ist praktisch nicht verändert, der Eindruck des Alters erhalten geblieben, aber die Geschmeidigkeit des Blattes zurückgewonnen.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wird Papier vornehmlich aus Holzschliff hergestellt. Weißschliff wird bei Bedarf mit Natriumbisulfit und Hydrosulfiten gebleicht. Weitere "Füllstoffe" werden zugesetzt, um eine geschlossene Oberfläche und einen höheren Weißgehalt zu erreichen. Durch solche säurebildenden Inhaltsstoffe ist ein Zerfall des Papieres vorprogrammiert. Nur ein möglichst umgehend eingeleiteter "Entsäuerungsprozeß" kann das Papier vor einem völligen Zerfall bewahren. Deshalb wurden 1997 z. B. 26 000 Bestandseinheiten entsäuert. Wenn man bedenkt, daß mit einem Preis von 10,- Euro pro Band gerechnet werden muß und bereits rund 2,2 Millionen Bücher betroffen sind, erkennt man die Höhe der nötigen und auch in Zukunft dringend benötigten Mittel.

Leimen & Einfügen von Trennblättern Mehr Informationen zu dieser und zu weiteren bestandserhaltenen Maßnahmen findet man in dem Aufsatz von Leonhard Penzold "Kooperationen bei der Bestandserhaltung" in den Mitteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz (Mitt. SBB (PK) N.F. 8 1999, H.1, 122-126).