Max-Herrmann-Preis 2007 an Bernhard Fabian

Verehrt, geehrt: Bernhard Fabian erhielt den Max-Herrmann-Preis 2007

Bernhard Fabian

Wie hoch die Lebensleistung des 1930 geborenen Bernhard Fabian geschätzt wird, verdeutlichte sich kürzlich wieder in Berlin, wo ihm am Abend des 10. Mai von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin der Max-Herrmann-Preis 2007 verliehen wurde: Eingeladen von deren Vorsitzendem, Klaus G. Saur, erwiesen Persönlichkeiten des deutschen Bibliothekswesens sowie aus Wirtschaft und Wissenschaft dem Preisträger die Ehre und gratulierten persönlich. Ihm, dem Professor für Englische Philologie, der zum "Vater einer deutschen Nationalbibliothek" für den Buchbestand bis 1912 wurde. Denn aus dem Blickwinkel eines international tätigen Wissenschaftlers beklagte Fabian stets die Zersplitterung bedeutender Buchbestände in Deutschland – und wurde aktiv. 1983 legte er mit "Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung" den Grundstein für die Sammlung Deutscher Drucke. Unterstützt von der Volkswagen-Stiftung, entwickelte er das Konzept, nach dem die fünf deutschen Großbibliotheken in Berlin, Frankfurt, Göttingen, München und Wolfenbüttel heute das deutschsprachige gedruckte Schrifttum aus der Zeit 1450-1912 sammeln. An diese und andere Leistungen Bernhard Fabians erinnerten rund einhundert Gratulanten, unter ihnen der Generalsekretär der VW-Stiftung, Wilhelm Krull, der Verleger Georg Olms, die Bibliotheksdirektoren Claudia Lux, Michael Knoche, Thomas Bürger, Elmar Mittler (a.D.) und Michael Borgolte, Dekan an der Humboldt-Universität.

Das zentrale Thema der Arbeiten Fabians ist die Geschichte, die Erhaltung und die Vermittlung der kulturellen Überlieferung. Er legt dieses Thema umfassend aus, betrachtet es aus vielen Positionen, worauf Klaus-Dieter Lehmann in seiner Laudatio besonders hinwies. Denn über die Konzeption der Sammlung Deutscher Drucke und – dies sein zweites großes Werk – die Herausgabe des 47-bändigen Handbuchs der historischen Buchbestände hinaus meldet er sich stets auch zur Entwicklung des Bibliothekswesens zu Wort. Mit Respekt und Dank für den Preisträger sagte Lehmann: "Akademische Persönlichkeiten wie er sind selten. Leider, denn es ist offensichtlich, dass es im akademischen wie im gesellschaftlichen Bereich auffällige Leerstellen im Hinblick auf Konzeptionen gibt, die intellektuell und institutionell einen zukunftssicheren Umgang mit der kulturellen Überlieferung ermöglichen könnten."
Mit Spannung wurde die Rede des Preisträgers aufgenommen. Er schlug den Bogen vom Entstehen großer nationaler Sammlungen mit universalem Charakter zur Positionierung der Staatsbibliothek zu Berlin im internationalen Bibliothekswesen. Er erinnerte an deren gebrochene Entwicklung unter den extremen Bedingungen der Auslagerung und knapp 50 Jahre währenden Trennung ihrer Bestände, verwies auf die neuen Perspektiven, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten für diese Bibliothek wieder ergaben. Aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus skizzierte er die Aussichten der Staatsbibliothek so: "In jedem Fall wird die Zukunft der Bibliothek eine Zukunft in Europa sein. Wir werden sie als die Bibliothek betrachten, die vermöge ihres Ranges und ihrer Wichtigkeit Deutschland in Europa (und auch jenseits des Kontinents) zuvörderst repräsentiert und repräsentieren muß. …Die Staatsbibliothek ist wohl eine deutsche Bibliothek in Europa, aber sie ist auch … eine europäische Bibliothek in Deutschland." Zu letzterem erläuterte Fabian die historischen Etappen und den jeweiligen Zusammenhang zwischen den nationalstaatlichen Aufgaben der Bibliothek und dem Aufbau ihrer Sammlungen, in welche stets ausländische Literatur eingeschlossen war. -

Das schönste Kompliment, das eine Bibliothekarin an diesem Abend dem Geehrten darbringen konnte, kam von Barbara Schneider-Kempf: "Lieber Herr Professor Fabian, … Sie sind kein gelernter Bibliothekar, und doch haben Sie das deutsche Bibliothekswesen in mehr als einer Hinsicht nachhaltiger verändert als die meisten der bibliothekarischen Fachkollegen."


Gastgeber, Preisträger und Laudator: Klaus G. Saur, Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V., Bernhard Fabian, Max-Herrmann-Preisträger 2007, Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, und Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Gastgeber, Preisträger und Laudator: Klaus G. Saur, Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V., Bernhard Fabian, Max-Herrmann-Preisträger 2007, Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, und Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
 
Verehrt, geehrt: Applaus für Bernhard Fabian nach seiner Dankesrede
Verehrt, geehrt: Applaus für Bernhard Fabian nach seiner Dankesrede