Max-Herrmann-Preis 2001 an Prof. Paul Raabe

Am 10. Mai 2001 wurde der Max-Herrmann-Preis zum zweiten Mal vergeben, diesmal im Otto-Braun-Saal des Scharoun-Baus an der Potsdamer Straße, und zwar an den international anerkannten und hochgeschätzten Bibliothekar und Wissenschaftler Prof. Dr. h.c.mult. Paul Raabe. Die Laudatio auf ihn hielt die Direktorin der Berliner Stadtbibliothek, Frau Dr. Gabriele Beger, Grußworte kamen vom Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, Dr. Antonius Jammers, und vom Vorsitzenden der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin, Dr. Winfried Sühlo.

Professor Raabe, Jahrgang 1927, war von 1946 bis 1992 im Bibliotheksdienst tätig, darunter von 1968 bis 1992 Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Diese Jahre waren für ihn und für Wolfenbüttel eine Periode, in der er neue Akzente für diese Bibliothek gesetzt, sie als hervorragende Kulturstätte ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gebracht und sie zu "einem Mekka der Humanismus- und Barockforschung" gemacht hat.

Prof. Paul Raabe und seine Frau (Mitte)

Aber Paul Raabe, den die FAZ als "dreifaches Talent: als Bibliothekar, Wissenschaftler und Kulturmanager" bezeichnet hat, beschränkte seine Aktivitäten nicht auf den reinen Bibliotheksbereich allein: er engagierte sich in einer Notgemeinschaft zur Rettung der Wolfenbütteler Altstadt, widmete sich in den siebziger und achtziger Jahren der Entwicklung des Wolfenbütteler Bibliotheksquartiers in den Häusern des Schloßplatzes und dann ganz besonders nach seiner Pensionierung 1992 dem Erhalt des gefährdeten Ensembles der Franckeschen Stiftungen in Halle.

Seinem Wirken als "durchtriebenem Manager des schönen Geistigen" ist es zu verdanken, dass aus der völlig maroden Stiftung ein "kultureller Leuchtturm in Mitteldeutschland" geworden ist. Man hat Raabe eben nicht nur als "Patriarchen der Bücher" kennengelernt, sondern auch als "genialen und gefürchteten Förderungsmitteljongleur", dessen "sinnvollem Treiben" die Ministerialbürokraten "ebenfalls hilflos ausgeliefert waren".

Manches Zitat und manch weitere Information über den zweiten Träger des Max-Herrmann-Preises sind in der Rede nachzulesen, die Kulturminister Gerd Harms im September 2000 beim Ausscheiden Professor Raabes aus dem Amt des Direktors der Franckeschen Stiftungen gehalten hat.