Nachlaß Dietrich Bonhoeffer
 

Nachlass Dietrich Bonhoeffer um 52 Briefe, 25 Postkarten und Lebensdokumente aus Privatbesitz ergänzt, geschädigte Dokumente restauriert – der Dank gilt 94 Spendern


Mit Spenden aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, den USA und Kanada wurde der Nachlass eines der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, Dietrich Bonhoeffer, restauriert sowie um autographe, teils noch unbekannte Dokumente ergänzt: Aus Familienbesitz kaufte die Staatsbibliothek kürzlich 40 Briefe und 25 Postkarten, welche von Dietrich Bonhoeffer verfasst wurden, sowie 12 Briefe von der Hand seiner Braut, Maria von Wedemeyer. - Der Vorsitzende der Freunde der Staatsbibliothek, Klaus G. Saur, und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, bedanken sich sehr herzlich bei den 94 Privatpersonen, Stiftungen und Firmen, die mit ihren Spenden vollständig die Restaurierung der geschädigten Dokumente des Nachlasses sowie seine Ergänzung mit den Briefen ermöglichten.


Bonhoeffer mit Konfirmanden im Harz, 1932

Zu Beginn des Jahres 2009 wurde die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, dass 196 Dokumente des Nachlasses Dietrich Bonhoeffer mit knapp 2.000 Blättern – das ist ein Fünftel des Nachlasses - zu restaurieren waren. Die Schadensbilder reichten von Rissen, Knicken, Stauchungen und abgerissenen Dokumententeilen über Roststellen durch Klammern, gelöste Heftungen und Fehlstellen, Verhärtungen und Verfärbungen durch Tesafilme sowie drohenden Tintenfraß bis hin zu Säurefraß am Papier. Eine eigens für die Arbeit am Nachlass angestellte Restauratorin beendet in diesen Tagen die Restaurierung. - Das rasche Eintreffen der Spenden sowie zahlreiche begleitende Schreiben zeigen, dass die Restaurierung des Nachlasses eines der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts für viele Menschen eine Herzensangelegenheit ist. Bonhoeffer wurde 1906 geboren und im April 1945 von den Nazis ermordet.

Parallel gelang es, mit dem Einsatz weiterer Spendenmittel ein umfangreiches Konvolut von Briefen und Postkarten aus Familienbesitz zu erwerben. Die von Dietrich Bonhoeffer verfassten 40 Briefe schrieb er seit frühen Kinderjahren bis zum Jahr 1944 an seine Zwillingsschwester Sabine und deren Ehemann Gerhard Leibholz. Als seine Schwester im Jahr 1999 in Göttingen verstarb, blieb ihr Vorhaben, einen Teil dieser Briefe selbst zu publizieren, unerfüllt. Die Staatsbibliothek zu Berlin erhielt mit dieser Erwerbung zahlreiche Originalbriefe, die bisher im Nachlass nur als Kopien oder Abschriften vorhanden waren. Einige der Briefe sind im Nachlass noch nicht vermerkt. - Zu der Erwerbung gehören neben den Briefen Dietrich Bonhoeffers auch 12 Briefe seiner Braut Maria von Wedemeyer. Darunter ist ein Autograph, das sie Weihnachten 1945 an Sabine Leibholz schickte: eine von ihr angefertigte Abschrift des wohl berühmtesten Werkes Bonhoeffers, des Gedichtes "Von guten Mächten". Dietrich Bonhoeffer hatte es für sie geschrieben, das Original liegt in Maria von Wedemeyers Nachlass in der Houghton Library in Harvard.

Gleichzeitig schenkte die Familie der Staatsbibliothek zu Berlin den 27 Kästen umfassenden Nachlass der Zwillingsschwester Dietrich Bonhoeffers. Dieser mit großem Dank entgegengenommene Nachlass enthält neben Lebensdokumenten auch zahlreiche Briefe der Familie – darunter von den Eltern und Großeltern Dietrichs sowie von anderen Kindern der Familie Bonhoeffer. Bisher kaum dokumentierte Teile des Lebens und Wirkens Dietrich Bonhoeffers und seines familiären Hintergrundes können damit nun ebenfalls erforscht und bekannt gemacht werden.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 geboren, am 9. April 1945 wurde er ermordet. Er war die Leitfigur des Protestantismus im 20. Jh. in Deutschland und in der gesamten angelsächsischen Welt. Als herausragender Vertreter der Bekennenden Kirche erklärte er das Christentum als unvereinbar mit der NS-Rassenideologie. Seit 1940 engagierte er sich im Widerstand, 1943 wurde er in Berlin verhaftet. Kurz vor Kriegsende wurde Dietrich Bonhoeffer, gerade 39 Jahre alt, im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. - Den Nachlass Dietrich Bonhoeffer erwarb die Staatsbibliothek zu Berlin im Jahr 1996 aus dem Besitz des Theologen und Pastors Eberhard Bethge (1909-2000), dem von Bonhoeffer testamentarisch als Erben eingesetzten Freund und Weggefährten, und dessen Frau Renate, einer Nichte Bonhoeffers. Die Staatsbibliothek zu Berlin plant, nach der Restaurierung des Nachlasses aus demselben alle Briefe und Werke Dietrich Bonhoeffers zu digitalisieren und im Internet zu präsentieren, damit diese für die Erforschung der Geschichte des 20. Jahrhunderts wertvollen Dokumente künftig leichter zugänglich und gut zu recherchieren ist.

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